DER STANDARD
Mittwoch, 4.Februar 1998, Seite 7


Standplatztelefon oder Taxifunk

Nach der Tarif-Debatte wird über die Schlüsselgebühr verhandelt

Wien – „Wir sind keine Technologiestürmer“, beginnt Werner Jansky, und das große Aber läßt nicht lange auf sich warten. Und zwar: Die Wiener Taxifunkzentralen hätten auf Technologien gesetzt, die keiner brauche – wer wolle schon wirklich das Taxi mit der Karte zahlen – und daher seien sie zu teuer, empört sich der stellvertretende Innungsvorstand. Er hat eine Aktion gegen die Funkzentralen gestartet: „Sparen Sie“, hieß es in Inseraten – und dann kamen die verschiedenen, im Dezember festgelegten neuen Grundgebühr-Tarife. 52Schilling kostet das Taxi, wenn man es telefonisch über die Funkzentrale bestellt. 39Schilling, wenn man die Rufsäule am Taxistandplatz anruft. Und 26Schilling, wenn man ein Taxi anhält oder am Standplatz einsteigt.

Janskys Ziel: „Ich will, daß sich das Geschäft von den Funkzentralen auf das Standplatztelefon verlagert.“ So kompliziert sei das nämlich nicht: 80Prozent der Taxis werden von Büros oder Wohnungen aus angerufen, und da könne man sich genausogut die Nummer des Standplatzes neben das Telefon hängen.

Kartellklage gefordert

Die Reaktion der Funkzentralen auf diese Geschäftsverlagerungsidee ließ nicht lange auf sich warten: Sie wollte die sogenannte Schlüsselgebühr – Preis für die Schlüssel, mit denen Taxifahrer die Rufsäulen bedienen – um 87Prozent auf 280 Schilling erhöhen. Die Erhöhung trifft die 3000 der rund 4400 Wiener Taxis, die nicht am Funk hängen.

Das wiederum will Jansky nicht auf sich sitzen lassen: „Ich bin der Meinung, es gehört geklagt.“ Er will eine Kartellklage der Fachgruppe gegen die Funkzentralen anstrengen, da diese das Preis-Monopol haben.

Heinrich Frey, Vorsteher der Innung, sieht zudem einen Interessenskonflikt: Drei Funkzentralen betreuen die Rufsäulen – und hätten wenig Interesse an dieser Form der Taxi-Vermittlung. Dennoch setzt er weniger auf die Kartellklage, als auf Verhandlungen: „Wir haben sie auf einen annehmbaren Preis heruntergeholt.“ Ob auch seine Innungskollegen das finden, wird sich in der Sitzung Mitte Februar zeigen.

Leo Müllner, Obmann einer der Funkzentralen, gesteht mittlerweile selber ein: „Die über 80Prozent waren vielleicht doch ein wenig viel.“ Er ist aber zuversichtlich, einen Kompromiß zu finden. Und denkt indes über eine große Lösung des Taxitarifstreits nach: „Der Taxitarif könnte attraktiver gestaltet werden. So, daß es etwa am Vormittag billiger ist als am Abend.“ Das Grundproblem sieht er aber wo anders: „Es gibt zu viele Taxis in Wien.“

Fahrt mit Mietwagen

Nahezu unbehelligt von den Taxitarifkonflikten bieten auch Mietwagenfirmen ihre Einzelfahrt-Transportdienste an: Sie sind an keine Innungs-oder Funkzentralenpreiserhöhungen gebunden – und können einfach verlangen, was sie wollen. So wirbt eine Firma mit einem Fixpreis für die Fahrt zum Flughafen. (eli)


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