Würfelfunk eG * Taxi-Ruf 21 01 01
Prokurist Bernd Frielingsdorf
Courbierestr. 5
10787 Berlin
Sehr geehrte Damen und Herren,
leider bin ich verhindert, ihnen unsere Erfahrungen zum Thema Notrufsysteme im Taxi heute persönlich zu berichten, ich hoffe auf ihr Verständnis.
I. Würfelfunk Berlin
Der Würfelfunk betreibt eine Taxivermittlungszentrale mit 580 Wagen in Berlin. Die Vermittlung der Fahrzeuge läuft über fünf analoge Betriebsfunkfrequenzen im Bereich 150 MHz und Datenfunkdisplays der Firma Heedfeld in Bielefeld.
II. AG Taxi-Notruf Berlin
1992 wurde in Berlin die Arbeitsgemeinschaft Taxi-Notruf gegründet, in der die fünf Berliner Funkzentralen gemeinsam 7.000 Taxen organisieren. Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft wurde zunächst 1994 bei der Firma Spreefunk das Programm Interway Checkpoint der Firma P/S Software und Computertechnik mit den Datendisplays der Firma Heedfeld getestet. Seit November 1995 wird das System beim Würfelfunk für ganz Berlin eingesetzt. Das Bundesamt für Post- und Telekommunikation teilte uns hierfür eine neue Frequenz zu, die deutschlandweit nicht vergeben ist. Somit steht einer in Deutschland einheitlichen Notruffrequenz für Taxen nichts mehr im Wege. Insbesondere die Neuen Bundesländer haben reges Interesse in zahlreichen Treffen bekundet und schon die Frequenz beantragt, Potsdam hat schon eine Funkempfangsanlage installiert.
III. Besonderheiten Taxi-Notruf
Die Finanzsituation des Fuhrgewerbes läßt die Fahrzeugausrüstung allerdings schleppend vorangehen, deshalb wird auf die Freiwilligkeit der Teilnahme Wert gelegt.
Die Bedeutung des Global Positioning Systems für den Notruf ist konkurrenzlos, die immer weitreichendere Nutzung macht es erschwinglich. Die Standortermittlung im Notfall ist die einzige Möglichkeit für schnelle Hilfe, denn die Schnelligkeit des Rettungseinsatzes kann erfahrungsgemäß für das Opfer lebensrettend sein. Der ungleich wichtigere Aspekt für uns ist die Verhinderung von Überfällen durch eine rechtzeitige Auslösung des Alarms. Durch die Kopplung an die Funktechnik der Firma Heedfeld ist es uns möglich, intervallmäßig in das Fahrzeug hineinzuhören, um die Gefahrensituation besser einschätzen zu können. An der Serienreife der Übertragung von Videostandbildern wird gearbeitet.
Der Taxifahrer befindet sich mit dem Täter alleine auf kleinstem Raum.
Nur die stille - vom Fahrgast unbemerkte Auslösung - des Notrufs garantiert,
daß es nicht zu Überreaktionen des potentiellen Täters kommt. Ohne GPS war
dies nicht möglich, der Standort mußte der Zentrale per Sprachfunk mitgeteilt
werden.
Obwohl wir uns deutlich dagegen aussprechen, das Taxifahrer "Polizist spielen",
muß auch die dichte Infrastruktur der auf der Straße fahrende Taxen erwähnt
werden, die zur schnellen Versorgung des Opfers beiträgt.
IV. Software
Das Programm Interway Checkpoint ermöglicht durch weitestgehende Automatisierung eine sichere Standortermittlung, die Genauigkeit liegt in Berlin bei ca. 5-30 m. Der Schulungsaufwand des Personals war - zumindest für die Programmbedienung - minimal. Das Programm läuft stabil und wartungsfrei in einer DOS/Novell-Umgebung. Auch mehrere gleichzeitig ausgelöste Notrufe werden abwechselnd auf der Karte dargestellt.
V. Hardware
Dies alles hat die Firma Heedfeld durch die im Fahrzeug installierte Übertragungstechnik weiter ausgebaut, die Speicherung der letzten ausgewerteten Position sowie die im Fahrzeug stattfindende Berechnung der Wegstrecke und Fahrtrichtung durch Koppelnavigation per Kompaß und Tachowelle sorgen für Standortdaten auch bei Ausfall der Satellitendaten. Die Identifizierung des Wagens geschieht durch eine im Übertragunsprotokoll enthaltene Kennung.
VI. Automatische Vermittlung
Natürlich wird allerorts - auch durch die Personalkosten - an eine automatische Vermittlung von Fahraufträgen gedacht. Eine Grenze liegt hierbei im analogen Betriebsfunk, dessen Geschwindigkeit und Störanfälligkeit, die andere in der Bereitschaft der Taxiunternehmer zur Investition. Eine Beschränkung auf reinen Datenfunk mit der Möglichkeit der Sprachanforderung stößt in Berlin auf Ablehnung. Digitale Funknetze scheitern an den Kosten und sind für uns zur Zeit auch für den Notruf nur für strukturschwache Gebiete denkbar.
Aber ich möchte meine Ausführungen zur Vermittlung per GPS nicht pessimistisch erscheinen lassen.
Ich bedanke mich und wünsche allen Teilnehmern einen erfolgreichen Verlauf des Symposiums.
Berlin, den 12.11.1996
Bernd Frielingsdorf